Im Interview:
Die Finalisten 2016

Was inspiriert die Finalisten des BLOOOM Award by WARSTEINER 2016? Was hat es mit ihren eingereichten Kunstwerken auf sich und welche Gegenstände sind für sie in der Entstehung ihrer Arbeiten unverzichtbar?
In spannenden Interviews erzählten die Finalisten über sich und ihre Arbeiten.

  • Liat Segal

Was ist die Aussage hinter Deiner Arbeit “Attending Machine”?

„Attending Machine“ visualisiert für eine begrenzte Zeit Profilfotos von Facebook-Accounts. Die Teilnehmer haben online an der Veranstaltung „Donate your virtual identity to art“ teilgenommen und damit der Spende ihrer virtuellen Realität an die Kunst zugestimmt. Die Arbeit stellt die Funktionalität von Beziehungen und Intimität in der heutigen digitalisierten Welt in Frage. Facebook wird dabei als Daten liefernde Studie benutzt. Die Profilfotos der Teilnehmer werden bei meiner Installation zunächst ausgedruckt und verblassen mit der Zeit, sie halten also nicht ewig. Mit der Wahl ihrer Profilfotos haben sich die Teilnehmer entschieden, wie sie sich im sozialen Netzwerk präsentieren möchten. Nacheinander tauchen die Bilder auf und verblassen wieder.
Mit dem Druckvorgang wird jede individuelle Identität für einen Moment in der Masse präsent. Die Kurzlebigkeit der Bilder wirft Fragen auf: Was steckt hinter der Repräsentation der eigenen Identität im digitalen Zeitalter und warum versuchen wir so verzweifelt, in der Masse Aufmerksamkeit und „Likes“ zu sammeln? Sind wir bloß Daten im virtuellen Raum?
Was inspiriert Dich zu Deinen Arbeiten?

Mein wissenschaftlicher und technologischer Hintergrund beeinflusst mich stark in meinem Denken und meiner Inspiration. Ich habe Informatik und Biologie studiert und über soziale, textuelle und biologische Netzwerke geforscht. Oft sehe ich die Welt als eine Ansammlung von Informationen, mathematischer Darstellungen und biologischer Modelle. Heute zeigt sich das in meiner Kunst. Mich fasziniert, wie wir konsumieren, Informationen analysieren und wie diese Informationsströme sich auf unsere Ich-Identität, unsere Kommunikation, unser Gedächtnis, unsere Entscheidungen und unsere Intimität auswirken. Wie wir tagtäglich mit enormen Datenmengen konfrontiert werden und wie wir in diesen Informationsströmen flüchtige Details ausblenden können. Ich beobachte soziale und psychologische Veränderungen, die durch die Zunahme von online gestellten privaten Daten entstehen - Daten, die ständig von uns geliefert und dann gespeichert werden. Ich arbeite mit Technologien, die aus ihrem eigentlichen Kontext gerissen sind. Ein fertiges Kunstwerk besteht aus mehreren Dimensionen: Einer physischen Oberfläche, einem Triebwerk und Mechanik, Elektronik, Software und Daten. Das eigentliche Bauen der Maschinen ist für mich von großer Bedeutung. Ich habe das Gefühl, dass die technischen Entscheidungen, die ich beim Bauen treffe, sich genauso auf das künstlerische Endprodukt auswirken, wie die Pinselbewegung eines Malers auf seinem Bild.

Welche Dinge sind für Dich bei Deiner Arbeit unverzichtbar?

Mein Material ist die Technologie – ob traditionell und auf gewöhnliche Weise genutzt oder als „State of the Art“. Wenn ich jetzt spezielle Dinge auswählen müsste, würde ich neben Stift und Papier wohl meinen Laptop und die elektronischen Teile wählen, die ich am meisten benutze, wie Mikrocontroller, Sensoren, Motoren und die Liste würde immer weitergehen…
  • Femke Huurdeman

Mit ihrer Abschlussarbeit „Pippin and the Pursuits of Life“, in der sie die farbenfrohe Gute-Nacht-Geschichte von Pippin erzählt, hat die Niederländerin Femke Huurdeman es bis unter die Finalisten des BLOOOM Award by WARSTEINER 2016 geschafft. Woher sie bei ihrer Arbeit als Filmmacherin ihre Ideen nimmt, erzählt sie uns im Interview.
Warum hast du die Geschichte von Pippin für Deine Arbeit ausgewählt?

Ich habe die Geschichte nicht wirklich ausgewählt. Da ich sehr intuitiv arbeite, hat die Geschichte sich fast schon von selbst entwickelt. Während ich daran gearbeitet habe. Die Kollektion von Maaike Fransen hat mich inspiriert und außerdem benutze ich immer Elemente aus meiner eigenen Kindheit. Ich wollte eine absurde kleine Geschichte erzählen, um die Menschen vielleicht ein bisschen zum Lächeln zu bringen.

Was war das Highlight Deiner bisherigen Künstlerkarriere?

Ich habe ein paar Preise bei internationalen Fashion-Film-Festivals gewonnen, zum Beispiel beim Berlin Fashion Film Festival, beim Madrid Fashion Film Festival und beim Milan Fashion Film Festival. Das war für mich sowohl überraschend und etwas seltsam, aber auch irgendwie cool.

Was sind Deine Ziele in Deiner Karriere als Künstlerin?

Ich würde in den nächsten Jahren gerne bei einer internationalen Produktionsfirma tätig sein. Ich will genauso in der Werbung als auch im künstlerischen und experimentellen Bereich arbeiten. Die beiden Bereiche sollen sich gegenseitig beeinflussen können. In näherer Zukunft will ich ein Musikvideo machen und auch außerhalb der Niederlande reisen und dabei filmen.
Welche Dinge sind für Dich bei Deiner Arbeit unverzichtbar?

Eigentlich nur mein immer neugieriger Geist und die Welt um mich herum. Ich schreibe kaum Dinge auf, weil ich glaube, dass die besten Ideen so oder so in meinem Gedächtnis bleiben.

Wieso hast Du Dich dazu entschieden, Dich für den BLOOOM Award by WARSTEINER 2016 zu bewerben?

Ein Freund von mir hat mir den Link dazu geschickt und meinte, dass meine Arbeit zu dem Award passen würde, also habe ich es mal versucht. Mir gefällt, dass Künstler aus verschiedenen Disziplinen teilnehmen können.
  • Marco Sanna

Hunderte Lichtschalter zum Musizieren? Der „Wir klicken – Lichtschalter Sound Cube“ von Marco Sanna aus Deutschland hat die Jury des BLOOOM Award by Warsteiner überzeugt: Der Kubus wird auf der BLOOOM – the converging art show ausgestellt. Erfahrt hier von Marco selbst, wie das Kunstwerk entstanden ist.
Was inspiriert Dich bei Deinen Arbeiten? Und was hat Dich speziell bei Deiner Arbeit “Wir klicken - Lichtschalter Sound Cube” inspiriert?

Mich inspirieren in erster Linie Objekte und Produkte mit ihren individuellen Geräuschen und Wirkungen auf ihr Umfeld. So beschäftige ich mich innerhalb meiner Arbeit mit Objekten und deren Kommunikationsmöglichkeiten. Mein Ziel ist es, diese in eine neue Form zu überführen. Dazu arbeite ich - auf der Ebene des Klanges - oftmals mit Geräuschen, die anderen Kontexten entstammen und ein Objekt poetisch aufzuladen vermögen. Auf der Ebene der Form geht die größte Inspiration von alltäglichen Industriegegenständen aus, wie sie sich beispielsweise in Baumärkten, aber auch in Spielzeugläden und Fabrikhallen finden lassen. Obwohl wir sie täglich nutzen, bleiben sie zumeist unterhalb unserer Wahrnehmungsschwelle.
Ein schlichter Lichtschalter an sich trägt noch keine Bedeutung, ist aber - als einfache Möglichkeit etwas zu aktivieren - bedeutsam und wurde so zur Ausgangsbasis des Lichtschalterkubus. Diese simple Funktion ermöglicht, im Zusammenspiel mit Klängen,
eine nahezu unendliche Vielzahl an Möglichkeiten. Dieser Kontrast fasziniert mich noch heute.

Welche vier verschiedenen Soundthemen sind in dem Cube hinterlegt? Und warum gerade diese?

Der Kubus ist eine Art modernes Musikinstrument, das noch niemand zu spielen gelernt hat; es konnte mir nicht darum gehen, den Klang älterer Instrumente zu imitieren. Ein Spieler erhält zwar zuerst den Anschein mit Klängen musizieren zu können. Doch transformiert sich der Klangcharakter schnell.
Die Dimensionen des Kubus sind für ein Instrument recht groß, daher wollte ich den Spieler überraschen und die Räumlichkeit klanglich ebenso betonen. Die Klänge sind daher vor allem die Geräusche von Schritten und dem Schlagen von Türen, wodurch der Eindruck entsteht, dass innerhalb des Cubes Menschen laufen würden.
Daneben gibt es zahlreiche, in unterschiedlicher Schnelligkeit aufgenommene, Klickgeräusche, die das Geräusch der Lichtschalter aufgreifen: Der Spieler klickt also mit den realen Schaltern und die aufgenommenen Klickgeräusche antworten ihm in verändertem Takt.
Und nicht zuletzt sollte das Instrument selbst zum benutzenden Musiker sprechen - um ihm damit möglicherweise ein Schmunzeln zu entlocken.
Welche Herausforderungen gab es bei dieser Arbeit?

In organisatorischer Hinsicht war die Besorgung einer solch großen Menge an Lichtschaltern sicherlich eine Herausforderung. Glücklicherweise konnte ich die Firma Jung für ein Sponsoring gewinnen. Deutlich anspruchsvoller jedoch war der technische Aspekt: Schließlich muss jeder der 180 Lichtschalter einzeln angesteuert und mit bestimmten Sounddateien belegt werden; dazu waren nicht nur detaillierte Pläne, sondern auch eine Menge Fingerspitzengefühl und Geduld nötig.

Welche Dinge sind für Dich bei Deiner Arbeit unverzichtbar?

Ein Tonaufnahmegerät ist essentiell für meine Arbeit geworden. Um die Authentizität von Objekten zu bewahren und somit deren Klang und meinem Stil treu zu bleiben, möchte ich mich nicht online bedienen. Für die Soundkomposition selbst bietet eine spezielle Software für mich den idealen Rahmen. Sie bietet viel Freiheit und lenkt nicht mit vorgefertigten Soundthemen oder Parametern ab. Es bleibt also viel Pures erhalten. Eine Menge Kabel und Elektrik hauchen den Objekten Lebensenergie ein.

Ideen Skizzenbuch

Rendering Programm

Soundrecording und Schnitt

Kabel für Löten

Arbeitswerkzeuge

Lautsprecher
Warum hast Du Dich entschieden, Dich für den BLOOOM Award by WARSTEINER 2016 zu bewerben?

Nachdem ich einige Jahre in Agenturen und Unternehmen als klassischer Grafik Designer gearbeitet hatte, folgte ich meinem inneren Ruf und nahm ein vollwertiges Studium zum Diplom Kommunikationsdesigner auf. Jetzt kurz nach Erhalt des Diploms liegt für mich nun die Freiheit in der Selbstständigkeit, deren Erfolg neben harter Arbeit und Durchhaltevermögen auch auf beruflichen Kontakten und Erfahrungsaustausch beruht. Mein Ziel ist es interdisziplinäre und interaktive Projekte zu realisieren.

Einen Mentor zu haben, an den ich mich wenden kann und der mich als Künstler auf meinem Weg unterstützt, ist dabei nicht nur beruhigend, sondern auch sehr hilfreich. Ich freue mich, dass der BLOOOM Award über die Dotierung heraus diese Möglichkeit bietet und habe mich daher entschlossen, mich hierauf zu bewerben.
  • Angelika Wischermann

Tagelang legt sich Angelika Wischermann aus Österreich für ihre Arbeit „recht schön gelegen“ auf Gras. Was für die Künstlerin bei einer Performance im Vordergrund steht und wie die Liebe zu Bier sie zu ihrer Einreichung für den BLOOOM Award by WARSTEINER 2016 gebracht hat, lest Ihr hier.
Was inspiriert Dich bei deinen Arbeiten? Und was hat dich speziell bei deiner Arbeit „recht schön gelegen” inspiriert?

Seit Jahren bin ich Performance-Künstlerin, doch eines hat mich immer sehr gestört: der Ereignischarakter und der theatralische Moment, der einer Live-Performance bei einer Vernissage innewohnt. Viele Versuche habe ich unternommen um diesen Moment auszuschließen, um meine Performances in der Ruhe aufzuführen, die sie meiner Meinung nach brauchen.
Für mich stand schon immer die Handlung im Vordergrund und nicht mein eigener Körper. Und so fragte ich mich mehr und mehr ob es nicht auch eine Art von Performance-Kunst geben kann, aus der mein eigener Körper – ja sogar jeder menschliche Körper – ausgeschlossen ist. Wie aber ist es möglich den Körper auszuschließen während weiterhin die Handlung im Vordergrund steht? Ist es möglich Handlungen in Objekte einzuschreiben, so dass diese anstelle des Körpers von den Handlungen berichten? Meine Performances beschäftigten sich ohnehin mit sehr lang andauernden Handlungen, welche für dieses Vorhaben besonders geeignet sind. So spielt der Körper zwar für die Erstellung des Werks weiterhin eine wichtige Rolle, im Werk selbst ist er aber nicht mehr sichtbar.
Was war das Highlight Deiner bisherigen Künstlerkarriere?

Ich finde es schwer von Highlight zu sprechen da es, seit ich Kunst mache, viele Dinge gab, die schön und wichtig für mich waren. Ausstellungen bieten die Möglichkeit, meine Arbeiten zu zeigen und mit dem Publikum in Interaktion zu treten. Ob es sich um Off-Space, Museum oder Kunstmesse handelt ist für mich zweitrangig, denn jeder dieser Orte hat seine Vorzüge und kann unterschiedlich bespielt werden. Stipendien und Ankäufe hingegen ermöglichen es sich zumindest für einige Zeit ohne finanzielle Sorgen voll und ganz auf die eigene Kunst konzentrieren zu können.

Welche Dinge sind für Dich bei Deiner Arbeit unverzichtbar?

Es gibt in meiner Arbeit wiederkehrende Materialien wie Wasser, Luft, Schnur und vor allem meinen eigenen Körper. Wesentlich ist aber auch, dass Freunde und Familie mir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ohne ihre Hilfe wären viele meiner Projekte gar nicht umsetzbar gewesen.
Warum hast Du Dich entschieden, Dich für den BLOOOM Award by WARSTEINER 2016 zu bewerben? Wie hast Du genau diese Arbeit dafür ausgewählt?

Schon seit meiner Jugend trinke ich sehr gerne Bier, ich würde es sogar wagen zu behaupten, dass es nur wenige Menschen gibt, die Bier so sehr lieben wie ich. Als ich vor drei Jahren erstmalig auf den Award aufmerksam wurde, konnte ich natürlich nicht widerstehen mitzumachen. Umso mehr freu ich mich jetzt – denn alle guten Dinge sind schließlich drei – bei der BLOOOM ausstellen zu dürfen.
Viele der von mir verzehrten Biere habe ich im Park, auf einer Wiese sitzend oder liegend zu mir genommen. Dieser entspannte Zeitvertreib hat mir immer große Freude bereitet. Und so lag es für mich auf der Hand die Arbeit „recht schön gelegen“ für den BLOOOM Award einzureichen.
  • Matthias Danberg

Moderne Technik, antike Figuren, kubistische Formen: In Matthias Danbergs Video „Sculptures“ taucht der Zuschauer in eine völlig neue, faszinierende Welt ein. Im Interview erzählt uns der deutsche Künstler, was ihn bei seiner Arbeit inspiriert und warum er sich beim BLOOOM Award by WARSTEINER 2016 beworben hat.
Kurz und knapp: Worum geht es in Deiner Arbeit „Sculptures“?

Die 3D-Animation „Sculptures“ (2015-2016) gibt den Blick in eine menschenleere, vielleicht transhumanistische Welt frei. Die Akteure – jeweils Kombinationen aus Technik und Fragmenten kultureller Errungenschaften – begeben sich dabei in eine Interaktion, von der nicht ganz klar ist, ob es sich dabei um einen Konflikt oder einen Informationsaustausch handelt.
Warum zeigst Du besonders Skulpturen, die an die klassische Antike und an den Kubismus angelehnt sind? Warum hast Du diese Epochen ausgewählt?

Mir scheint es, als wären die wichtigsten bildnerischen Probleme mit dem Auslaufen der Moderne abgehandelt. Die bereitgestellten Lösungen lassen sich jetzt wunderbar in die Kunst einbinden. Die klassische Antike, kubistische Köpfe oder technologische Skulptur – sie alle bilden also Ideenräume ab, die ich zu meinem Material mache. In „Sculptures“ brauchte ich für einige Charaktere Motive des Aufbruchs, des Fortschrittes. Die Antike, der Kubismus, Technik – sie liefern, was ich brauchte, sind aber in ihrer individuellen Ausprägung sehr fein ausdifferenziert.

Was hat Dich zur Arbeit inspiriert?

Ich habe immer irgendetwas gezeichnet, gemalt und irgendwann habe ich angefangen, Animationen zu machen. Inspiration als Funke des Beginnens hat da keine Rolle gespielt. Meine Arbeit erwächst eher aus einem Modus Operandi, der immer läuft und manchmal etwas Brauchbares abwirft.
Welche Emotionen werden bei den Betrachtern bei deiner Arbeit hervorrufen?

Ich glaube, der Film legt verschiedene Spuren. Einerseits bewegt er sich auf einem hohen monumentalen Niveau, andererseits kippt das Ganze dann ins Amüsante. Die Reaktionen werden entsprechend ambivalent sein.

Welche Dinge sind für Dich bei Deiner Arbeit unverzichtbar?

Die Computerprogramme mit denen ich meine Filme mache. Ich habe eine fast peinliche emotionale Bindung zu einigen dieser Programme aufgebaut.

Warum hast Du Dich entschieden, Dich für den BLOOOM Award by WARSTEINER 2016 zu bewerben?

Mir gefiel die Haltung hinter dem Bewerbungsformular auf der entsprechenden Internetseite. Keine lästige Mappe, die man Drucken musste. Keine DVD, die man brennen sollte. Keine komischen Anforderungen an veraltete Formate. Die Anmeldung des BLOOOM Award verwirklichte den Anspruch des Progressiven, den der BLOOOM Award sich selbst gegeben hatte. Das klingt zunächst vielleicht banal, ist es aber nicht, wenn man mal länger drüber nachdenkt.

  • Rahel Zaugg

Aus einer ‚Schusswaffe‘ wurde eine ‚Schutzwaffe‘: Mit ihrer Skulptur „Liberator – parts of defence“ hat die Schweizer Künstlerin Rahel Zaugg die Jury des BLOOOM Award by WARSTEINER 2016 überzeugt und es so unter die zehn Finalisten geschafft. Ihre mithilfe eines 3D-Druckers hergestellte Arbeit besteht aus Teilen einer funktionsfähigen Liberatorpistole, deren Baupläne 2013 frei im Internet zugänglich waren. Sie thematisiert damit den schmalen Grad zwischen Angriff und Verteidigung. Im Interview erzählt uns Rahel, was sie in ihrer Arbeit als Künstlerin bestärkt.
Was hat Dich bei Deiner Arbeit inspiriert?

Die tiefen Abgründe des Internets, in dem gefühlt alles verfügbar ist und ein 3D-Drucker.

Welche Emotionen löst Deine Arbeit bei dem Betrachter aus?

Das möchte ich jedem Betrachter selbst überlassen
Welche Dinge sind für Dich bei Deiner Arbeit unverzichtbar?

Auf meine allgemeine Arbeitsweise bezogen: Ich brauche einen Ort wo sich Werkzeuge und Materialien versammeln, die im Falle eines Geistesblitzes sofort zur Verfügung stehen und für meine Experimente herhalten. Ich muss immer alles anfassen und ausprobieren. Deshalb könnte ich ohne mein Atelier als Raum für Ideen und Versuche unmöglich arbeiten. Für die Arbeit „Liberator – parts of defence“ habe ich allerdings verhältnismäßig wenig Materialien verwendet.

Atelier

Laptop

3D Drucker

Nägel, Dichlormethan und die gedruckten Teile

Schleifpapier
Was war das Highlight Deiner bisherigen Künstlerkarriere?

Dass ich hier ausstellen darf, sehe ich als großes Kompliment und als Highlight meiner bisherigen Karriere. Kleine Highlights sind immer wieder, wenn sich jemand für meine Arbeit begeistert. Bei Kommentaren wie „die Arbeit ist gut” oder „potzblitz, ist das aber toll”, geht mir das Herz auf und ich fühle mich in meinem Arbeiten bestärkt.

Welche Wünsche hast Du für Deine Künstlerkarriere?

Mich immer wieder selbst überraschen, so viel wie möglich zu arbeiten, Begeisterungsstürme verursachen.
  • Tadao Cern

Für Tadao Cern aus Lithauen liegt die Genialität in der Einfachheit. Mit seinen „Black Balloons“ hat er es unter die Top 10 des BLOOOM Award by WARSTEINER 2016 geschafft. Lest hier, was ihn zu dieser Installation inspiriert hat und was er als Künstler noch erreichen will.
Warum hast du dich dazu entschieden, mit schwarzen Ballons zu arbeiten?

Ich bin jeden Tag in meinem Atelier, wo mein kreativer Prozess einem Spiel gleicht. Alles, was ich erschaffe, entsteht durch Neugier. So war das auch mit meinem Projekt „Black Balloons”.
Schon ziemlich lange hatte ich die Idee, zwei Ballons miteinander zu verbinden. Ich habe neben all den anderen Projekten eine freie Minute gefunden, zwei Ballons gekauft und war überwältigt vom Ergebnis. Es war so einfach und magisch zugleich! Dieser Gegensatz, der durch zwei so einfache und spielerische Objekte entstanden ist, hat in mir wieder diese einzigartige, kindliche Entdeckungslust geweckt.
Das Experiment offenbart sehr viel und je länger man es betrachtet, desto klarer wird: In der Einfachheit liegt die Genialität.
Für den ersten Versuch habe ich nur zwei Ballons und zwei verschiedene Gase verwendet: Helium und Schwefelhexafluorid – ein leichtes und ein schweres Gas. Später habe ich dann daran gearbeitet herauszufinden, wie die Ballons in der Mitte eines Tanks aus Glas treiben können, ohne sie mit irgendetwas zu verbinden.
Wie lange hat es gedauert, bis du die richtige Menge Gas bestimmt hattest, die die Ballons so schweben lässt, wie du es willst?

Da der Großteil der Komposition aus auf dem Boden liegenden Ballons besteht, gibt es an dieser Stelle gar keine Möglichkeit, einen Fehler zu machen. Man füllt einen Ballon mit Helium und dann den anderen mit schwereren Gasen. Das war’s! Die Komposition bleibt am Boden, weil der schwerere Ballon als Anker dient.
Ein bisschen komplizierter war zu erreichen, dass die Ballons in der Mitte des Glastankes schweben. Ich musste Helium und einfache Luft benutzen, damit die beiden verbundenen Ballons hochstiegen. Dann deponiert man sie in dem Glastank und fügt Helium dazu, bis die Ballons auf die gewünschte Höhe absinken.

Während Deiner Versuche hast Du mit verschiedenen Kombinationen in Bezug auf die Anzahl und den Abstand zwischen den Ballons experimentiert. Wie hast Du Dich für die Version entschieden, mit der Du Dich beim BLOOOM Award by WARSTEINER 2016 beworben hast?
Ich konnte nur eine Komposition auswählen, deswegen habe ich mich für die einfachste und ansprechendste entschieden. Mit einem Kubus kann man nichts falsch machen. Übrigens war diese Version auch die, die in sozialen Netzwerken, in Magazinen etc. am besten ankam.

Was war das Highlight Deiner bisherigen Künstlerkarriere?

Oh, die ganz großen Highlights warten noch auf mich.

Was sind Deine Ziele in Deiner Karriere als Künstler?

Ich will als einer der größten Künstler in Erinnerung bleiben, der die Kunst nicht nur um der Kunst selbst macht, sondern sie eher als Instrument benutzt, um wichtigere Themen anzusprechen. Letztendlich will ich jemand sein, dessen Handlungen von Bedeutung gewesen sind und der die Welt positiv verändert hat.

Welche Dinge sind für Dich bei Deiner Arbeit unverzichtbar?

Es gibt keine. Ich habe Projekte mit meiner Kamera, mit Pinseln und Leinwänden gemacht, mit Alltagsgegenständen usw. … ich könnte sagen, dass die meisten meiner Projekte in meinem Atelier entstanden sind, also ist das vielleicht, was mich am meisten inspiriert.
  • Xanthe Somers

In Ihrer Arbeit „Don’t bite the hand that feeds you, or maybe you should” reflektiert die Künstlerin Xanthe Somers über die politische Lage ihrer Heimat Zimbabwe. Lest hier über die Idole und Ziele der Künstlerin, die mittlerweile in London lebt und arbeitet.
Was ist die Aussage hinter Deiner Arbeit ,,Don’t bite the hand that feeds you, or maybe you should”?

Die Unabhängigkeitsrede von Mugabe aus dem Jahr 1980 war voller Versprechen und voller Hoffnung, die einst eine ganze Nation erfüllten aber nun nicht mehr als leere Worte sind. Zimbabwe war einmal die Kornkammer Afrikas, mit einer florierenden Maiswirtschaft. Heute ist das Land eines der ärmsten und von Hunger geprägt. Die Wörter der Rede sind in einem Haufen zusammengewürfelt. Dadurch werden sie unleserlich. Die Absicht dahinter ist ein Versuch, die Bedeutungslosigkeit und die Lügen der Rede zu visualisieren und zu quantifizieren und die Hungernot, die Armut und den wirtschaftlichen Niedergang darzustellen, die durch einen einzelnen Mann in eine Nation gebracht wurden.
Wenn Du persönlich zu Herrn Mugabe sprechen könntest, was würdest Du ihm sagen wollen?

Ich würde ihm sagen, dass es Zeit für eine Veränderung ist.

Was sind Deine Ziele für Deine künstlerische Karriere?

Mein Ziel ist es, als Künstler große Projekte zu realisieren, die Veränderungen voranbringen und zum Denken anregen.
Hast du ein Idol? Falls ja, wen?
Ich habe nicht eine einzelne Person als Idol. Ich bewundere meine Familie, Künstler, Aktivisten, Autoren wie zum Bespiel Ai Weiwei, William Kentridge, Bernard Takawira (ein Bildhauer von Shona-Skulpturen), Menschen, die mutig genug waren, Veränderungen in Zimbabwe zu ermöglichen, Pasto Evans.

Welche Dinge sind für Dich bei Deiner Arbeit unverzichtbar?

Inspiration ist unverzichtbar für mich, mehr als einzelne Dinge. Fundsachen, Literatur, Zimbabwe und meine Vergangenheit sind alles wesentliche Dinge in der Entstehung meiner Geschichte.

Warum hast Du Dich entschieden, Dich für den BLOOOM Award by WARSTEINER 2016 zu bewerben?

Ich habe mich beworben, weil ich glaube, dass mir damit Möglichkeiten und eine Sichtbarkeit als Künstlerin eröffnet werden könnten.



  • Martin Reiche

„Shell Performance“ ist eine Softwarekunst-Installation, in der drei auf einer Elektroschrotthalde in Ghana gefundene Festplatten mit persönlichen Daten verarbeitet sind. Der deutsche Künstler Martin Reiche erzählt uns im Interview, wie er damit die Datenintegrität und Privatsphäre in unserer heutigen Konsumgesellschaft in Frage stellt.
Kurz und knapp: Worum geht es in Deiner Arbeit „Shell Performance“?

„Shell Performance“ ist eine Softwarekunst-Installation – eine Art Collage eines digitalen Lebens, wobei die zugrundeliegenden Daten von Festplatten stammen, die auf einer Elektroschrotthalde in Ghana gefunden wurden. Auf den Festplatten finden sich große Mengen an privaten Dokumenten und Fotos, Popmusik sowie pornografische Bilder und Videos (größtenteils aus Mainstream-Produktionen). Die Arbeit greift nun diese Daten auf und entwickelt daraus eine sich stetig verändernde, abstrakte digitale Collage.
Was inspiriert Dich bei Deinen Arbeiten? Und was hat Dich speziell bei Deiner Arbeit „Shell Performance” inspiriert?

Ich finde es spannend, wie die Beziehung von Mensch und Technologie (und damit unweigerlich auch zwischen Mensch und Mensch) durch den ständigen technologischen Fortschritt beeinflusst wird. Dabei konzentriere ich mich auf Technologien, die ich als besonders kritisch einstufe: Funktechnologie, Netzwerke, Software. All diesen ist gemein, dass sie neue Räume entfalten können, die wieder Potenzial für künstlerisches Schaffen bieten. Außerdem fallen alle drei in den Bereich der “kritischen Infrastruktur”, es handelt sich also um Technologien, deren Ausfall systemische Folgen in der realen Welt hat.
Bei „Shell Performance“ sieht man dies aus einem ganz anderen Blickwinkel: Die Arbeit spielt mit den privaten Daten von unbekannten natürlichen Personen, die keinerlei Einwilligung dazu gegeben haben, Teil einer künstlerischen Produktion zu werden. Ihre technologischen Fußabdrücke, also die Restdaten auf den von ihnen gebrauchten Festplatten, sind es aber, die zum Rohstoff für die Installation werden. Es wird also der Umgang mit Speichertechnologien bzw. mit digitalen Technologien im Allgemeinen hinterfragt. Dieses fast schon archäologische, in jedem Fall aber forensische Vorgehen war bei dieser Arbeit mein besonderes Augenmerk.

Was war das Highlight Deiner bisherigen Künstlerkarriere?

Das ist pauschal schwierig zu beantworten. Ich habe die Ehre gehabt, mit einigen hervorragenden Künstlern zusammenzuarbeiten und an einigen großartigen Ausstellungen weltweit teilzunehmen. Eine besonders prägende Zeit war aber sicherlich meine Residenz in Sao Paulo, Brasilien im Sommer 2015.

Welche Dinge sind für Dich bei Deiner Arbeit unverzichtbar?

Da ich mich in den Genres Installation, Skulptur, Softwarekunst und Videokunst bewege, ist diese Frage pauschal auch schwierig zu beantworten. Sicherlich ist der Laptop das einzige wirklich unverzichtbare Instrument.

Warum hast Du Dich entschieden, Dich für den BLOOOM Award by WARSTEINER 2016 zu bewerben? Wieso hast Du genau diese Arbeit dafür ausgewählt?

Ich selbst verstehe mich als Medienkünstler, habe allerdings in den letzten Jahren an mehr und mehr Ausstellungen im Bereich der bildenden Künste teilgenommen. Es ist mir wichtig, diese Brücke zu schlagen und die Medienkunst in all ihren Facetten stärker im Kontext der klassischen bildenden Künste unterzubringen.

Danke 2016!

Mal wieder ein neuer Rekord: Über 2.000 Bewerbungen aus 84 Ländern erreichten uns 2016 - ein großartiges Ergebnis.

Auch die Sonderausstellung im Rahmen der BLOOOM - the converging art show war ein Erfolg auf ganzer Linie für die Finalisten.

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